Forschung und Projekte

Lena Rohrbach

Forschungsschwerpunkte

  • Medialität und Materialität
  • Vormoderne Textualität
  • Schrift und Schriftreflexion
  • Gattungsinterferenzen
  • Historische und kulturelle Narratologie
  • Isländische Literatur der Vormoderne

 

Laufende Projekte

Die isländischen Bischofssitze als Innovationszentren für Textpraktiken im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Island

Abstract:
Die Überlieferung mittelalterlicher isländischer Urkunden, Kartularien (máladagabálkur und bréfabækur) und Rechtshandschriften deutet darauf hin, dass viele schriftkulturelle Innovationen von den zwei Bischofssitzen Hólar und Skálholt ausgehen. Insbesondere die officiales der beiden Sitze scheinen eine entscheidende Rolle in der Verbreitung neuer Schreib- und Textmoden zu spielen und die Tradition des Making, Keeping and Using (Michael Clanchy) administrativer Schriftlichkeit nachhaltig beeinflusst und geformt zu haben. Während die Bedeutung der isländischen Klöster und großen Eigenkirchen (staðir), insbesondere Reykholt, als Zentren der Schriftproduktion in den vergangenen Jahrzehnten intensiv in den Blick genommen wurde und für die Frühe Neuzeit die zentrale Bedeutung der Bischofssitze in der Ausbildung der isländischen Elite ebenfalls wiederholt beleuchtet wurde, steht eine umfassende Untersuchung der Schrift- und Textpraktiken der beiden Bischofssitze im Mittelalter noch aus. Dieses Desiderat soll in dem interdisziplinär angelegten Forschungsprojekt aufgegriffen werden.

Projektmitarbeiter (HU Berlin):

Philipp Bailleu (wissenschaftlicher Mitarbeiter, Doktorand)
Natalie Grohmann (studentische Mitarbeiterin)

 

"Die Macht der Ordnung. Textuelle Umformungen und paratextuelle Apparate in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen skandinavischen Rechtsbuchhandschriften"

Buchprojekt (laufend), 2013-14 gefördert aus Mitteln der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern

Abstract:
Der Einfluss materieller und medialer Aspekte auf den Bedeutungsgehalt mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Texte im Allgemeinen und der altnordischen Literatur im Besonderen ist erst in jüngerer Zeit in den Blickpunkt mediävistischer Forschung gerückt. Das vorliegende Forschungsprojekt greift für die mittelalterlichen Rechtsbuchhandschriften des ost- und westnordischen Raums (Däne­mark, Schweden, Norwegen und Island) ebendieses Desiderat auf und untersucht die materielle und mediale Entwicklung der Handschriften vor dem Hintergrund sich ändernder sozialer Funktionen der Rechtsbücher im Laufe des Spätmit­telalters. Dezidiertes Ziel des Forschungsprojektes ist es auch, neue Erkenntnisse zur Entwicklung administrativer Schriftpraktiken im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Skandinavien zu gewinnen. Dabei wird auch der Einfluss der Hand­schriftentradition des gelehrten Rechts und des aufkommenden Buchdrucks auf festzu­stellende Veränderungen in der Handschriftentradition mit in den Blick genommen. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stehen besondere Veränderungen auf textueller Ebene (Hybridformen, Abece­darien, systematisch geordnete Kurzfassungen etc.) sowie die Ausstattung mit paratextuellen Apparaten (Kopf­zeilen, Überschriften, Nummerierungen, Inhaltsverzeichnisse, Register etc.).

Aus dem Projekt hervorgegangene Publikationen:

Lena Rohrbach (Hg.): The Power of the Book. Medial Approaches to Medieval Nordic Legal Manuscripts. (Berliner Beiträge zur Skandinavistik 19). Berlin 2014.

Lena Rohrbach: "Introduction." In: Lena Rohrbach (Hg.): The Power of the Book. Medial Approaches to Medieval Nordic Legal Manuscripts. (Berliner Beiträge zur Skandinavistik 19). Berlin 2014. S. 9-24.

Lena Rohrbach: "Matrix of the Law? A Material Study of Staðarhólsbók." In: Lena Rohrbach (Hg.) The Power of the Book. Medial Approaches to Medieval Nordic Legal Manuscripts.(Berliner Beiträge zur Skandinavistik 19). Berlin 2014. S. 98-128.

Lena Rohrbach: "Construction, Organisation, Stabilisation. Administrative Literacy in the Realm of Norway, the Case of Iceland." In: Steinar Imsen (Hg.): Rex insularum. The Realm of Norway and Its Dependencies. Trondheim 2014. S. 227-263.

Lena Rohrbach: "Repositioning Jónsbók. Rearrangements of the Lay in Fourteenth-Century Iceland." In: Steinar Imsen (Hg.): Legislation and State Formation. Norway and Its Neighbours in the Middle Ages. (Norgesveldet. Occasional Papers 4). Trondheim 2013. S. 183-209.

(Un-)Zuverlässige Buchstaben. Schrifthandeln und Schriftreflexion im spätmittelalterlichen Island. Antrittsvorlesung 29. Juni 2010. (Öffentliche Vorlesungen 168). Berlin 2011. (zur elektronischen Version)

Lena Rohrbach: "Pragmatik in Szene gesetzt. Mediale Dimensionen spätmittelalterlicher Handschriften des Jyske Lov." In: Britta Olrik Frederiksen/Jonna Louis-Jensen (Hg.): Opuscula XIII. (Bibliotheca Arnamagnæana 47). Kopenhagen 2010. S. 119-172.

Lena Rohrbach: "Die Fabrikation des Rechts. Implikationen medialer Ausformungen in west- und ostnordischen Rechtbuchhandschriften." In: Agneta Ney/Henrik Williams/Fredrik Charpentier Ljungqvist (Hg.): Á austrvega. Saga and East Scandinavia. Preprint papers of the 14th International Saga Conference, Uppsala, 9th-15th August 2009. Bd. 2. (Papers from the Department of Humanities and Social Sciences 14). Gävle 2009. S. 807-815.

DFG-Graduiertenkolleg „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“
https://www2.hu-berlin.de/kleine_formen/#bt

seit 2017, Mitantragstellerin, Assoziierte Wissenschaftlerin

Abgeschlossene Projekte

"Medieval Narratology – Narrative Formen und Funktionen im Mittelalter"

Wissenschaftliches Netzwerk (DFG)
Das von der DFG geförderte Netzwerk leistet unter der Leitung von Dr. Eva von Contzen einen entscheidenden Beitrag zur historischen Erzählforschung und setzt sich zum Ziel, die Narratologie um die Parameter mittelalterlichen Erzählens zu erweitern. Im intensiven interdisziplinären Austausch erarbeiten MediävistInnen verschiedener Disziplinen die Formen und Funktionen mittelalterlichen Erzählens und entwickeln, ausgehend von zentralen Fragen der Erzähltheorie, theoretische Modelle einer Narratologie mittelalterlicher Literatur. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Perspektive und Perspektivierung, Erzähl(er)haltung, Figurendarstellung, narrativen Logik und Sequenzierung sowie der Fiktionalität des erzählenden Textes in seinem konkreten historischen Kontext. Der Schwerpunkt liegt auf Texten der Heldenepik, Romanen und religiöser Literatur, die zwischen 1200 und 1500 verfasst wurden. Im fachübergreifenden Diskurs werden zunächst die fachspezifischen Forschungsansätze ausgetauscht, um im nächsten Schritt die Historizität erzählender Texte theoretisch zu verankern und literaturhistorisch einzuordnen. Das Netzwerk fördert und stärkt somit die Kommunikation der einzelnen Fachbereiche untereinander, bündelt gemeinsame Interessen bezüglich der Erzählforschung und entwickelt historisch konkret sowie geographisch wie linguistisch umfassend flexible Modelle mittelalterlicher Erzählpraktiken, von denen nicht nur die Narratologie insgesamt profitieren wird, sondern die auch literaturgeschichtlich eine diachrone Betrachtung erzählender Texte theoretisch fundiert ermöglichen.
http://www.medieval-narratology.de/

"The Realm of Norway and its dependencies as a political system, c. 1270–1400"
2010–2014, Kooperatives Buchprojekt, Sitz Universität Trondheim (Hauptverantwortlicher Prof. Steinar Imsen)

Das vom Norwegischen Forschungsrat geförderte, in Trondheim angesiedelte Projekt widmete sich aus transnationaler Perspektive dem Aufkommen und Bestehen des sogenannten Norwegischen Reiches mit seinen abhängigen Regionen (Norgesveldet) ab der Mitte des 13. Jahrhunderts. Das Projekt wurde mit dem 2014 erschienenen Band Rex Insularum. The King of Norway and His skattlands as a political system c. 1260 – c. 1450 abgeschlossen. In diesem Buch verfolgen Prof. Steinar Imsen (Trondheim, Projektleitung), Dr. Randi Wørdahl (Trondheim), Dr. Magne Njåstad (Trondheim), Ian Grohse (Trondheim), Prof. Helgi Þorláksson (Reykjavík), Prof. Jón Viðar Sigurðsson (Oslo), Prof. Eldbjørg Haug (Bergen) und Prof. Dr. Lena Rohrbach (HU Berlin) Fragen nach den Bedingungen und Spezifika des Norgesveldet. Neben einer grundlegenden Einführung in die generelle Struktur des Norgesveldet wird die Bedeutung der Kirche und der unter König Magnús lagabætir erlassenen Gesetze für den Zusammenhalt des politischen Gebildes ebenso beleuchtet wie Bemühungen, den regionalen Unterschieden und Bedürfnissen gerecht zu werden. Durch das gesamte Buch hinweg wird dabei unter anderem der Rolle der Schriftlichkeit, der Ausbildung von Eliten und der Bildung von Netzwerken nachgegangen. Geographisch werden vor allem die Regionen Island, Shetland und die Orkneys, die Nordkalotte und Jämtland behandelt.